FATmax ist nicht LT1: Warum Spiroergometrie und FATmax zwei unterschiedliche Fragen beantworten

Im Ausdauertraining wird häufig angenommen, dass FATmax ungefähr dort liegt, wo auch die erste Laktatschwelle LT1 liegt. Das klingt logisch. Beide Bereiche befinden sich im überwiegend aeroben Stoffwechsel und spielen im Grundlagentraining eine wichtige Rolle. Eine aktuelle Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 zeigt jedoch: So einfach ist es nicht. Die entscheidende Erkenntnis lautet:

FATmax liegt bei vielen Athleten unterhalb von LT1.

Und genau deshalb halte ich es für sinnvoll, Spiroergometrie und FATmax nicht als austauschbare Tests zu betrachten.

Was hat die neue Untersuchung gezeigt?

In der aktuellen Meta-Analyse wurden 42 Studien mit insgesamt 1.505 Teilnehmern ausgewertet. Im Durchschnitt lag FATmax im Vergleich zu LT1:

  • etwa 11 Herzschläge pro Minute niedriger
  • rund 22 Watt niedriger
  • etwa 5,8 % der VO₂max niedriger

Die Unterschiede waren statistisch deutlich, gleichzeitig aber individuell sehr unterschiedlich. Trainingszustand, Ernährung vor dem Test, Testprotokoll und Auswertungsmethode beeinflussten die Ergebnisse. PubMed Central (PMC) Und genau das ist für mich der entscheidende Punkt:

Aus der LT1 oder dem GET können wir den individuellen FATmax-Bereich nicht einfach zuverlässig ableiten.

Spiroergometrie: Wie groß ist dein aerober Motor?

Mit der Spiroergometrie schauen wir uns die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems an. Wir messen Atemzug für Atemzug unter anderem die Sauerstoffaufnahme und können dadurch deine VO₂max direkt bestimmen. Zusätzlich erhalten wir Informationen über die ventilatorischen beziehungsweise Gaswechsel-Schwellen. Das beantwortet wichtige Fragen:

Wie leistungsfähig ist mein aerober Motor?
Wo verändern sich meine physiologischen Belastungsbereiche
Welche Intensitäten sollte ich für lockeres, moderates und intensives Training nutzen?

Für die Trainingssteuerung ist das enorm wertvoll. Aber damit haben wir noch nicht automatisch beantwortet, bei welcher Intensität dein Körper tatsächlich am meisten Fett oxidiert.

FATmax: Welchen Kraftstoff nutzt dein Körper?

Der FATmax-Test stellt eine andere Frage. Hier wollen wir wissen: Wie viel Fett und wie viele Kohlenhydrate nutzt dein Körper bei verschiedenen Belastungsintensitäten?
Dafür arbeiten wir mit indirekter Kalorimetrie. Über Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe können wir den Anteil der Fett- und Kohlenhydratoxidation bei submaximaler Belastung bestimmen. Wir suchen den Bereich, in dem deine maximale Fettverbrennungsrate erreicht wird. Genau diese Belastungsintensität bezeichnet man als FATmax. Die wissenschaftliche Literatur zeigt gleichzeitig, dass FATmax sehr individuell ist und unter anderem von Testprotokoll, Ernährung, Trainingszustand und Messbedingungen beeinflusst wird. Deshalb sind standardisierte Bedingungen für eine sinnvolle Messung besonders wichtig. PubMed

Bei Boie-Sports bekommt der FATmax-Test deshalb bewusst ein eigenes Testprotokoll mit einer längeren Ruhephase und anschließend kontrollierten submaximalen Belastungsstufen.

Warum ein einziger Test nicht alles beantworten kann

Man kann es vereinfacht so betrachten: Die Spiroergometrie zeigt dir, wie leistungsfähig dein Motor ist. Der FATmax-Test zeigt dir, welchen Kraftstoff dieser Motor bei verschiedenen Geschwindigkeiten bevorzugt nutzt. Das sind zwei unterschiedliche Informationen. Ein Athlet kann zum Beispiel einen sehr guten VO₂max-Wert besitzen, aber bei einer für ihn relevanten Ausdauerintensität relativ früh einen hohen Kohlenhydratverbrauch entwickeln. Ein anderer Athlet kann vielleicht eine niedrigere VO₂max besitzen, seine Fettverbrennung aber bis zu höheren Belastungsintensitäten aufrechterhalten. Für die Trainingsplanung sind beide Informationen interessant.

Besonders wichtig für Marathon, Triathlon und Ultra

Je länger ein Wettkampf dauert, desto wichtiger wird die Frage der Energieversorgung. Unsere Fettreserven sind sehr groß. Unsere Kohlenhydratspeicher dagegen sind begrenzt. Das bedeutet nicht, dass Ultra-Athleten möglichst ausschließlich Fett verbrennen sollten. Gerade bei höheren Leistungen bleiben Kohlenhydrate unverzichtbar. Aber es ist sehr hilfreich zu wissen:

Bei welcher Herzfrequenz liegt mein FATmax?
Wie hoch ist meine maximale Fettverbrennung?
Wann steigt mein Kohlenhydratverbrauch deutlich an?

Aus diesen Informationen können wir wesentlich gezielter Trainings-, Pacing- und Ernährungsstrategien entwickeln.

Ein Beispiel aus der Praxis

Stell dir vor, deine Spiroergometrie zeigt einen ersten Gaswechselpunkt bei 145 Schlägen pro Minute. Bisher würdest du vielleicht annehmen: „Perfekt – dort liegt wahrscheinlich auch mein optimaler Fettstoffwechsel.“ Der aktuelle Forschungsstand zeigt aber, dass dein FATmax durchaus 10 oder mehr Herzschläge darunter liegen könnte. Der Mittelwert der neuen Meta-Analyse lag bei ungefähr 11 Schlägen Unterschied – bei einzelnen Athleten kann die Abweichung kleiner oder größer sein. PubMed Central (PMC) Wenn wir FATmax nicht messen, wissen wir es nicht. Genau deshalb möchte ich diese beiden Bereiche nicht gleichsetzen.

Zwei Tests – zwei Fragen – ein vollständigeres Bild

Für mich ergänzen sich Spiroergometrie und FATmax-Test hervorragend.

Spiroergometrie liefert unter anderem:

VO₂max – kardiorespiratorische Fitness  – individuelle Trainingsbereiche

FATmax-Test liefert:

maximale Fettverbrennung – FATmax-Herzfrequenz – Fett- und Kohlenhydratverbrauch bei unterschiedlichen Belastungen

Erst zusammen entsteht ein deutlich genaueres Bild davon, wie leistungsfähig dein Ausdauersystem ist und wie dein Körper diese Leistung energetisch bereitstellt.

Mein Fazit

Die neue Forschung bestätigt etwas, das für die praktische Leistungsdiagnostik sehr wichtig ist: FATmax und LT1 sind nicht dasselbe. Sie können nah beieinanderliegen, müssen es aber nicht. Deshalb würde ich bei einem Athleten, der seine Ausdauerleistung wirklich verstehen und gezielt entwickeln möchte, beide Fragen beantworten:

Wie groß ist meine aerobe Leistungsfähigkeit?

und

Wie effizient nutze ich bei unterschiedlichen Intensitäten Fett und Kohlenhydrate?

Die erste Frage beantwortet uns die Spiroergometrie. Die zweite beantwortet der FATmax-Test. Wer beides wissen möchte, sollte auch beides messen. Denn gute Trainingssteuerung beginnt dort, wo wir aufhören zu schätzen.

Messen. Verstehen. Gezielter trainieren.

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FATmax ist nicht LT1: Warum Spiroergometrie und FATmax zusammengehören

Quellen

Hogan C. et al. (2026): The Agreement between Fatmax and the Gas-Exchange and Blood Lactate Thresholds: A Systematic Review and Meta-Analysis. Medicine & Science in Sports & Exercise. Die Meta-Analyse umfasste 42 Studien und 1.505 Teilnehmer. PubMed Central (PMC)
Studie bei PubMed

Maunder E. et al. (2019): Assessment of maximal fat oxidation during exercise: A systematic review. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports. PubMed
Systematic Review bei PubMed

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